
Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen mit dem schönen Titel
"Das Müslibrot als Instrument zwischenmenschlicher Interaktion unter besonderer Berücksichtigung seiner Rolle in der Gesellschaft als Geschenk"
eine kleine Einleitung:
Filigrane Fingerübungen zwecks Einpackens von Geschenken, Bastelfrickeleien und Faltaktionen zur Herstellung aufblasbarer Origami-Frösche sind mir suspekt. Dauert mir alles zu lange, hab ich's nicht mit, da verstauche ich mir die Pfötchen. Aber Anschauen ist in Ordnung. Wenn ich nett Verpacktes sehe, dann denke ich immer: "Könntest du eigentlich auch mal...". Wenn ich nett Verpacktes geschenkt bekomme, freue ich mich und bin baff vor Bewunderung.

Nicole Stichs und Coco Langs Buch mit den Geschenkideen aus der Küche zu kaufen kam für mich nicht in Frage. Hach, die Rezepte sind ja wahrscheinlich ok, aber das Gedöns drumrum? Hach nee.
Dann waren mein Sherpa Tensing Norbert und ich mal wieder in Köln beim Buchgourmet - oh, ich habe vergessen zu warnen, der Eintrag hier wird etwas länger als normal, also sehr lang - also wir waren beim Buchgourmet und das Gespräch kam auf das Buch und ich greife auch noch das von der Konkurrenz und werde von Frau Wordmountain auf den richtigen Weg gebracht und ich nehme das Buch in die Hand und ich fange an zu blättern und ich schaue die netten Fotos an und sehe die schön verpackten Lebensmittel, die vor der Ummantelung mit besagtem Gedöns mit Liebe hergestellt wurden und ich sehe die Adressen, wo man all die netten kleinen Tütchen und Täschchen und Förmchen und Gedöns kaufen kann und denke mir: "Könntest du eigentlich auch mal...".

Das Buch stand dann ein paar Stunden später hier im Wohnzimmer im Regal. Ich fand es sehr nett, aber die Basteleien... sahen wirklich gut aus. Schön. Danke Nicky und Coco. Und da stand es dann, das gute Stück. Ich freute mich an ihm und das war's.
Bis vor ein paar Wochen eine absolut nette und unverhoffte und liebe Einladung ins Haus flatterte. Zu einer "Open-Flat-Party" in der Schweiz, in Bern ganz genau. Ja, da machen wir doch mit, da simmer dabei, datt is doch prihima. Und was nehmen wir mit? Und wie packen wir es ein? Heilige Nixnutzia der Pappkartons, hilf! Ach nee, wir haben doch auch noch Nicole und Coco und das Buch. Hallelujah!
Rausholen, blättern, Zeugs bestellen, anfangen. Nett uffresche, das geht schon. Und wie das ging. Wie geschmiert ging das. Zuerst wurden Chocolate Chip Cookies gebacken.

Die kennt ihr ja schon. Dann wurden die kleinen putzigen Decadence in Cubes-Dinger gebacken.

Die kennt ihr ja auch schon ewig. Als letztes wurde das Müslibrot aus Nicoles und Cocos Buch gebacken. Das sah nach getaner Tat dann so aus:

========== REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.3
Titel: Müslibrot mit Pistazien und Cranberries (M)
Kategorien: Brot, Müsli, Hefe, Weizen, Holzbackform
Menge: 1 Brot
============================= TEIG =============================
180 Gramm Wasser
150 Gramm Milch
100 Gramm 5-Korn-Flocken
15 Gramm Honig
50 Gramm Haselnüsse
75 Gramm Aprikosen, getrocknet
30 Gramm Pistazien, geschält
45 Gramm Cranberries, getrocknet
375 Gramm Weizenmehl (Type 1050)
5 Gramm Trockenbackhefe
10 Gramm Salz
============================= SOWIE =============================
Eiwasch (Ei mit Milch verrührt)
Haferflocken
============================ QUELLE ============================
Rezept modifiziert.
Original: Petra Holzapfels eigenes Rezept -
Küchengötter-Blog-Beitrag
-- Erfasst *RK* 15.05.2008 von
-- Petra Holzapfel
In der Schüssel der Küchenmaschine die 5-Korn-Flocken mit Milch,
Wasser und Honig verrühren und 30 Minuten quellen lassen.
Aprikosen in Streifen schneiden, Cranberries grob hacken. Mit
Pistazien und Haselnüssen vermischen.
Mehl, Hefe, Salz und die eingeweichten Flocken in der Küchenmaschine
zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Das dauert ca. 8 Minuten.
Den Teig auf eine leicht bemehlte Silikonmatte geben und rechteckig
ausrollen. Die Nuss-Frucht-Mischung aufstreuen. Die Längsseiten
etwas einschlagen, dann die Teigplatte mithilfe der Matte fest
einrollen. Soviel einschlagen, dann der Teig in eine leicht geölte
Schüssel passt und bei 30° C (im Miele) etwa eine Stunde abgedeckt
gehen lassen.
Den Teig grob rund formen, kurz entspannen lassen und dann zu einem
länglichen Brotlaib formen. Darauf achten, dass möglichst wenig von
der Frucht-Nuss-Mischung an die Oberfläche gelangt. Brot in ein
Holzbackform setzen. Die Oberfläche mit verquirltem Ei bestreichen
und mit Haferflocken bestreuen. Abgedeckt etwa 30 Minuten gehen
lassen.
Manzfred auf 200° C vorheizen.
Nach der Gehzeit das Brot 30 Minuten backen, dann aus der Form holen
und weitere 10 Minuten auf der Edelstahlplatte zu Ende backen.
lassen.
Anmerkungen, Jutta: sehr schmackhaft und sieht toll aus. Wird am
Wochenende als Geschenk mitgenommen.
Gebacken: 17.05.2011
=====
Das Originalrezept des schönen Brotes stammt von Petra Holzapfel. Nicky hat es leicht abgewandelt übernehmen dürfen und wenn die Beiden von dem Brot überzeugt sind, dann kann es nur geling- und verschenksicher sein.

Ich hatte bei der Bestellaktion auch Holzbackformen angefordert. Die wurden ausprobiert und als manzfredtauglich eingestuft. Erstaunlich, hätte ich nicht gedacht. Ich befürchtete, dass das Holz beim Kontakt mit den Edelstahl-Backplatten ziemlich dunkel werden würde. Tiefdunkel, dachte ich. Aber nach dem Gebrauch sah die Form fast unverändert aus.

So, den Inhalt hätten wir also schon mal, jetzt ging's ans Verpacken. Ich hatte Angst.
Die kleinen dekadenten Knusperwürfel wurden in eine Cellophantüte gesteckt, der obere Bereich umgeschlagen und mit echt platinem Faden zugenäht (könnt ihr ruhig glauben). In die Mitte der Naht wurde ein Knopf mit einem echten Diamanten (drei Karat, mindestens) plaziert. Wegen des Trennungsschmerzes vom Edelstein schwammen meine Augen in Tränen, fotografieren war deshalb nicht möglich. Ich musste das ganze noch in eine fröhliche Papppackung werfen, damit ich das Funkeln und Glitzern des wertvollen Steines nicht mehr sehen musste. Bändchen drum, Siegel aufgeklebt. Danach ging es mir besser.
Die Cookies wurden ebenfalls zunächst in eine Tüte eingepackt, bedruckt mit königlichem Lilienmuster. Ein Locher fraß Aussparungen ins Material, durch die ein Schmuckband gezogen wurde. Schleifchen binden. Fertig.
Zwei Gläser Konfitüre bekamen ein Hütchen aus Papier und einen Kragen aus buntem Maisstroh.
Das Brot, zunächst in Frischhaltefolie und dann in Backpapier eingewickelt, wurde mit einem Anhänger versehen. Dazu habe ich das Rezept gescannt, den mir interessant erscheinenden Teil auf Pappe geklebt und in Schildchenform ausgeschnitten.
Und so sah das dann am Ende aus, als es fertig war.
Alle Anregungen habe ich dem Buch von Nicole Stich und Coco Lang "Geschenkideen aus meiner Küche" entnommen. Hier findet man Hinweise auf Bestelladressen, Links im Web, Bastelanleitungen und Etiketten zum Herunterladen, sehr schöne Fotos sowie interessante Rezepte. Ohne das Buch wäre ich mit der gewohnten Nullachtfuffzehnverpackung auf Besuch gefahren. So, die Mitbringsel in einem Körbchen drapiert, gefiel es mir bedeutend besser.
Die Beschenkten haben sich gefreut. Da habe ich mich dann auch noch mal gefreut. Ganz doll. Der Nachmittag und Abend im schönen Bern mit den lieben Freunden und deren Gästen hätte schöner nicht sein können. Auch an dieser Stelle danken wir herzlich für die entspannte Feier mit tollem Essen, guten Gesprächen, betörender Sicht auf Wald und Berge, sowie der Entdeckung eines Rezepts für Zitronenkuchen, das ich schon mehrfach gabacken und weiter gegeben habe. Jaaa, hier gebe ich es auch bald weiter.
Ganz doll gefreut habe ich mich dann nochmal, als ich las, dass Frau Gourmetbüdchen genau zu dieser Aktion passend einen Blog-Event ausrichtet.

So, Klärchen Kompott aus'm Gourmetbüdchen, das war knapp aber trotzdem noch rechtzeitig. Vielen Dank für die schöne Eventidee und liebe Grüße. Isch abe fertig.

"Ah, Heimatklänge! Mit Heinemann-Kuchen bin ich aufgewachsen.
Aber die waren (und sind?) so teuer und edel, dass Kuchen von Heinemann immer etwas ganz besonderes war. In Rheydt, meiner Heimatstadt, in Mönchengladbach, Düsseldorf, Krefeld, Neuss, Duisburg und München (sic!) gibt es Cafés und wenn man zu "Kaffee Heinemann" ging, konnte man sich darauf schon etwas einbilden.
In unserer Familie gibt es bei Mama und Papa traditionsgemäß zu Weihnachten für jeden Gast ein kleines süßes Geschenk auf dem Teller: "Rhe'er Knööp" eine gehaltvolle Spezialität, von der man wirklich nur einen Knoop auf einmal essen kann. Und wenn man das Päckchen aufgefuttert hat, reicht es für ein Jahr. Auf der Heinemann-Website heißen sie Gladbacher Knööp, aber als Rheydterin isst man sowas natürlich nicht :-) Die Kuchenkreationen bei Heinemann sind wirklich außergewöhlich, auch viele kleine Törtchen, Babas usw. gibt es dort, die allesamt ein Traum sind.
[...]
Ich glaube, jetzt sind alle Dämme gebrochen und ich bestelle mir umgehend das Buch.
[...]
Bisher habe ich mich immer noch zurückhalten können, aber nu is Schicht:-) "
So geschah es, ich bestellte umgehend ein Exemplar eines Backbuches, das Herr Heinemann verfasst hat, nicht ohne zu bemerken, dass es inzwischen schon zwei Bücher des Autors gibt (Freudentanz! Narhallamarsch! Rakete! - ich habe dann das mit Schokolade bestellt - und soeben noch das mit Gebäck, hihihi). Was war ich gerade geplättet, als es an der Haustür klingelte und das Buch "Schokoladenträume" schon geliefert wurde!
Und die Moral von der Geschicht': Wir Foodblogger und Rezeptjunkies kurbeln das Kochbuchgeschäft an. Und alles andere ist - genau!!!! Jecke Kall!*
Leute schreibt Kochbücher, ich kaufe sie, ganz bestimmt!
Ach so: Kurzkritik nach dem ersten Duchblättern: 144 Seiten Schoko-Wahnsinn! Ich breche zum wiederholten Male in dieser Woche meine Diät ab.
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* Der Kölsche ansisch würde wahrscheinlisch "Jecke Verzäll" sagen, der Niederrheiner ansisch sacht "Jecke Kall" was soviel bedeutet wie "Blödsinn".