Meine beiden Schwestern Ina (hinten) und Susanne (vorne) und ich (Mitte)
hatten beschlossen, einen Tag nach meinem Geburtstag eine Zusammenkunft in der Nähe von Mönchengladbach einzuberufen, um über die Goldhochzeit unserer Eltern zu beratschlagen.
"Was machen wir, was bereiten wir vor, was schenken wir, wer macht was?"
Abgeholt wurde ich von meinem Schwager mit einer geschmückten Limousine - es soll Menschen geben (zu denen ich mich seit diesen Ereignissen ebenfalls zähle), die ein unterirdisch ausgeprägtes Schamgefühl haben. Wer bisher mit dem Wort "Fremdschämen" nichts anfangen konnte:
Ich finde, Locken kleiden mich ungemein und passen hervorragend zu meinem Hutgesicht.
Scherz beiseite: Zum Tragen des Hutes wurde ich genötigt und auf den Fähnchen steht unter anderem: "Isch hab: Rücken, Kreislauf, Kopp, Knie, Herz und Schnappatmung."
Nun ja. Meine Schwester Susanne hatte auch Kuchen gebacken. Der 48. Versuch dieser Torte war dann endlich gelungen und wurde freudestrahlend präsentiert:
Es lohnt sich wirklich, ab und an einmal etwas Neues zu probieren. Susanne ist eigentlich für ihren Käse-Sahne-Kuchen berühmt, den sie stets gemeinsam herstellt mit der Koryphäe auf dem Gebiet des Backens, Herrn Dr. Oetker. Aber obiges Exemplar war nach der unerschütterlich durchgezogenen, langwierigen Versuchsreihe ebenfalls absolut essbar.
Nach ein paar Minuten der Körperertüchtigung,
aufmerksam beobachtet von meinen beiden Personal-Trainern, ging es dann munter daran, einen Ablauf für das Fest zu planen. Am Ende war es so, dass Susanne, Ina und die Anverwandten alles machten und für mich nur noch die Kleinigkeit übrig blieb, einen Kuchen zu backen. Haha!
Kuchen? Kein Problem! Mehrstöckig? Ok! Schön verziert? Na klar! 260 Kilometer Transport? Mumpitz! Trotzt er der Hitze? Logo!
Ich freute mich, dass ich so gut davon gekommen war. Und dann ging es an die Planung... öööhm, war es jungendlicher Leichtsinn, der mich so viele Dinge nicht beachten ließ, als ich mein Einverständnis gab? Oder Überhitzung des Hirns als Folge der ungewohnten Körperertüchtigung? Jedenfalls wurden Planung und Durchführung ein mittelschwerer Akt, zumal ich mich nach diversen Hins und Hers dazu entschloss, "nur" eine dreistöckige Torte in schlichtem Champagnerton zu erschaffen, elegant verziert mit ein paar Rosen und ein paar Pünktchen aus Zuckerguss. Schnell eine Fondantdecke draufgeschmissen, drunter flott ein wenig Buttercreme geschmiert, zusammensetzen, fertig.
Ja..... nun.... also... ganz so war das nicht.
70 Rosen aus einer Blütenpaste, bestehend aus jeweils 17 Einzelteilen, habe ich in Handarbeit gefertigt. Das war eine Arbeit für Bekloppte und ich habe dazu immer den schönen Hut aufgesetzt, den ihr eingangs bewundern konntet. Erschwerend hinzu kam, dass ich Null Ahnung hatte von solchen Dingen. Ich habe in diesem Leben noch keine Rosen hergestellt, ich kann noch nicht mal "Das Haus vom Nikolaus" malen und Zeichnungen, von meiner Hand geschaffen, tendieren stets zum Abstrakten.

Zudem wusste ich gerade mal, wie man Fondant schreibt. Aber damit arbeiten???
Glücklicherweise gibt es diverse Internetforen, in denen sich Kuchenbäckerinnen tummeln, die als wahre Künstlerinnen durchgehen. Und nicht nur das: sie teilen auch ihr Wissen und sind stets hilfsbereit. Das konnte ich gut gebrauchen und ohne die Plattformen hier, hier, hier, hier und hier hätte ich niemals den Kuchen zu einem guten Ende gebracht. Dustylin, eine Userin bei Chefkoch, die in der Nähe meines Wohnortes beheimatet ist, hat sogar angeboten, bei Problemen vorbei zu schauen und zu helfen. Danke an alle Blütenkünstlerinnen!
Nach Wälzen aller möglichen Backbücher, nach dem Kauf diverser Fachliteratur und unterschiedlichsten Zubehörs
stand dann nach unzähligen Mails und Telefonaten mit den Schwestern und dem PROBEBACKEN der komplettenTorte (so jeck muss man sein...) die Zusammensetzung fest:
Unten Baumkuchen (30 cm), Mitte Amarena-Kirsch-Kuchen Schichtkuchen (25 cm), oben Schichtkuchen Sachertorte (20 cm).
Da ich schon am Donnerstag nach Mönchengladbach fahren wollte und musste, hatte ich vor, die Torten schon mittwochs zu backen und zu füllen. Am Freitag habe ich sie bezogen und verziert. Zusammengesetzt habe ich die Torte am Freitagabend mit tatkräftiger Unterstützung meines Mannes und meines Schwagers in dem Restaurant, wo am nächsten Tag gefeiert wurde. Da hatte ich zehn Stunden Torte beziehen, Pünktchen spritzen und Rosen dekorieren hinter mir, war leicht angeschlagen und die Küche meiner Schwester sah aus wie ein Schlachtfeld.
Glücklicherweise ist alles glatt gelaufen, der Kuchen war essbar (aber Buttercreme-Icing und Fondant sind ja sowas von süß, huääh, das konnte ich nicht essen) und sah recht ordentlich aus. Die Präsentation war gelungen und ich bin stolz auf mein Werk.
Ja, ja, nur wer die Neugier kennt, weiß wie das Feuer brennt...
Fortsetzung: Teil 2