Wer lehret mich? was soll ich meiden?
Soll ich gehorchen jenem Drang?
(J. W. Goethe - Faust)
Fragen über Fragen und auch im Hause S. taten sich während des und nach dem Praktikum(s) ähnliche Gedanken auf. Sollten wir das Wagnis eingehen und unser Dasein der ausufernden Zubereitung von Mahlzeiten unter Nutzung hochwertigen Geräts weihen? Fortan Lukullus huldigen und unsere Namen mit dem Zusatz Gourmand "Gourmet" schmücken? Der Zunahme an Körperfülle bei gleichzeitiger Abnahme des pekuniären Polsters frohgemut entgegenstreben?
Um zweifelsfreie Klarheit zu erlangen, wurde eine weitere Kapazität hinzugezogen. Claudia Fool for Food, Trendsetterin auf dem Gebiet der Dampfgarerforschung, hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr dem Combi-Dampfgaren zugewandt und hier beträchtliche Erfolge erzielt. Unsere Forschungen und Erkenntnisse können daher nur Ergänzungen ihres umfassenden Oeuvres sein. Allerdings verfügt sie nicht über die technischen Möglichkeiten, um vergleichende Arbeiten durchzuführen. Ein Manzfred befindet sich nicht in ihrem Besitz. Gerne sind wir deshalb bereit, hier Nischenforschung zu betreiben und über deren Fortgang zu berichten.
Nach einem regen Diskurs zwischen uns hessischen Novizen und der Futterverrückten aus Hamburg kristallisierte sich schnell heraus, dass ab sofort kulinarische Versuche mittels eines Miele Combi-Dampfgarers angestellt werden. Schnellstens wurde der Umbau des bereits recht gut ausgestatteten Wöllstädter Labors in die Wege geleitet.
Schützenhilfe leistete auch diesmal Küchenstudio Kern aus dem benachbarten Bad Nauheim, mit dem die "Akademie für lecker Essen" bereits beim Einbau des Manzfreds gute Erfahrungen gemacht hatten.
In Windeseile wurden der Umbau der Räumlichkeiten, die Lieferung des Testgeräts sowie dessen Einbau absolviert. Innerhalb von nur vier Tagen schuf ein engagiertes Team die notwendigen Voraussetzungen, um in die heiße Phase der nach ihrer Anzahl zum Unendlichen hin tendierenden Testreihen einsteigen zu können.
Zur wissenschaftlichen Mitarbeiterin mutiert, begann ich das aufopferungsvolle Werk im Dienste des guten Geschmacks mit der Zubereitung von Kaisersemmeln. Frau Marla, eine Garantin für Kleinode gelingsicheren Backwerks, stellte ohne ihr Wissen selbstlos eine Anleitung für jene hochherrschaftlichen Brötchen zu Verfügung.
Manz und Miele, schweigsam ob der großen, an sie gestellten Herausforderung, harrten der Semmeln, die da kommen sollten.
Beide Probanden bekamen exaktement die gleichen Teigstücke nach bewährter Rezeptur (s.o.) vorgesetzt. Gewicht, Knetzeit, Ausformung, Gehzeit, alles identisch.
Nach ausreichender Ruhephase wurde es dann ernst.
Während sich Manzfred in der rechten Ecke schon einmal warm machte und es in genau 27 Minuten schaffte, die benötigte Arbeitstemperatur zu erreichen, schaute Miele zu. Kühl, ruhig, beinahe ein wenig überheblich. Hier genügte eine kurze Programmierung nach Einschieben des Backwerks und schon ging er seinen Weg allein.
Automatik - Backen - Weizenbrötchen - 1 Ebene - Bräunungsgrad mittel - sofort starten. Nach einer gewissen Aufheizzeit setzte eine unglaubliche Beschwadung mit Dampf ein, dem die Teiglinge nichts mehr entgegenzusetzen hatten.
Am Ende erreichten beide Geräte ungefähr zeitgleich ihr Ziel und versorgten uns mit köstlichem Gebäck.
Manzfred:
rustikal aussehende, knusprige Semmeln, die nichts von ihrer Bemehlung eingebüßt hatten. Die Form hatte sich während des Backvorgangs nicht großartig verändert, die Ausgangformung war gut zu erkennen. Krume feinporig, Kruste knackig.
Miele:
Bemehlung durch die Bedampfung zu Beginn des Backens nicht mehr vorhanden. Form hat stark gelitten, die Konturen sind miteinander verschmolzen. Krume feinporig mit minimalem Hang zur Kleisterigkeit. Kruste knackig, allerdings ist die Unterseite recht weich.Dafür glänzen die Semmeln wunderschön, als wären sie mit etwas bestrichen. Liegt wahrscheinlich an der Stärke im Mehl, das sich durch den Dampf aufgelöst hat.
Fazit:
wer Manzfred nicht kennt, wird mit dem Backergebnis des Mielegerätes hochzufrieden sein. Im direkten Vergleich gewinnt allerdings der gute Manzfred (mir ist ein Stein vom Herzen gefallen!).
Gedankengänge:
Nach dem Besuch des Miele-Kocherlebnisses war ich angenehm überrascht, was die Öfen alles können. Die Technik, die vielfältigen Programmierungsmöglichkeiten und die Ergebnisse beim Kochen und Braten waren sehr überzeugend. Zudem haben die Öfen durch die Klimagarfunktion, bei der Dampfstöße in den Innenraum geleitet werden, Gärschrank- bzw. Bäckereiofencharakter. Fleisch garen wird sehr bequem durch Niedrigtemperaturgarfunktionen, Bratenthermometer mit Kerntemperaturmessung und all die anderen tollen Möglichkeiten, die sich mit den Backöfen bieten.
Nur, ich habe bereits zwei Backöfen. Einen ganz normalen Mieleherd mit integriertem Kochfeld, den ich gerne behalten wollte und den guten Manzfred, der im August zum ersten Mal Geburtstag feiern durfte (na ja, zum zweiten Mal, aber das nehme ich jetzt nicht so genau). Hätten wir uns noch einen Einbauofen gekauft, dann hätten wir drei Exemplare gehabt. Aber keinen Dampfgarer. Dessen Vorzüge sind mir zum ersten Mal während des Kocherlebnisses aufgegangen. Das war schon toll, zu sehen, wie Gemüse aussieht und schmeckt, das im Dampf lag statt im Wasser. Drucklos dampfgaren kann der Manzfred eigentlich auch - aber nicht so!
Zudem gab es ja noch die Möglichkeit, ein Combigerät zu kaufen, das, neben der bis 100 °C reichenden Dampfgarmethode noch einige Vorzüge eines normalen Backofens bietet. Ober- und Unterhitze sowie Grillfunktion sind nicht vorhanden. Aber sonst? Der Garraum ist klein. 32 Liter (Petra Holzapfel! Aufgemerkt!) ersetzen keinen normalen Backofen. Aber als Ergänzung zum vorhandenen Maschinenpark kann ich mir den Miele schon jetzt nicht mehr wegdenken.
Und sollte der "alte" Mieleherd einmal das Zeitliche segnen, dann wird aber sofort ein Einbaubackofen angeschafft. Auch wenn ich mich dann von meinem heißgeliebten, riesigen Kochfeld trennen müsste. Aber bis dahin wird noch so mancher Trunk die Kehle benetzen und so macher Bissen den Magen füllen.
Und soll ich euch mal was verraten? Ich habe zur Zeit tatsächlich keine Pläne, die Küche zu erweitern, mich auf anderen Gebieten der Forschung zu betätigen.