Genau das waren meine ersten Gedanken, liebe Leser, als ich nach satten vier Stunden erholsamsten Schlafes um 8.00 Uhr am Mittwochmorgen (noch drei Tage bis zur Präsentation) versuchte, die Augenlider zu öffnen, was mir allerdings nur bis zur minimalen Schlitzgröße gelang.
Ich tastete mich bis zur Küche vor, heizte die Kaffeemaschine an, schnitt zwei Scheiben Brot ab, stellte schon mal den Teller auf den Tisch und brachte danach die gefüllte Kaffeetasse ins Esszimmer. Das sah dann so aus:
Ich weiß bis heute nicht, wer die zweite Tasse hingestellt hat. Da ich alleine im Haus war, werde ich es wohl gewesen sein, aber erinnern kann ich mich nicht daran.
In Anbetracht meiner mentalen Konstitution versprach der Tag ausgesprochen heiter zu werden. Auch wegen des Plans.
Der Plan: Schichtkuchen füllen - vorher Füllungen herstellen. Fünf Torten zweimal mit Ganache beziehen. Fünf Torten mit Fondant beziehen. Auto mit 1,79 Milliarden Back- und Dekountensilien, Rosen, Klamotten und Ehemann bepacken (letzterer darf die Nacht noch im Haus verbringen). Und vielleicht auch mal schlafen?
9.00 Uhr ging es los:
Ganache aus dem Kühlschrank holen - die hatte ich am Vortag zubereitet.
Die Füllungen für die Schichttorte herstellen und die Böden füllen. Damit war ich mittags fertig.
Der Rand war mir zu dunkel und zu trocken geworden. Ein scharfes Messer und beherzte Schnitte erlösten ihn von seinem Elend.
Normalerweise ruht die Torte über Nacht im Kühlschrank. Dafür war jetzt keine Zeit mehr. Kühlschrank auf maximale Kühlleistung fahren, beschwerte Torte rein und gut war.
Ganache aufschlagen. Juhu - sie ist geronnen, verda...!"&&%//%$$§§""... Thermomix rausholen, Ganache vorsichtig erwärmen und dabei aufschlagen. Hey, das klappt ja super! Wieder was gelernt. Ganache etwas abkühlen lassen und auf die drei dunklen Torten (Oma B., Zebra, Nuss) schmieren streichen. Zunächst einmal nur dünn, um die Krümel zu binden. Torten in den Kühlschrank stellen und kühlen. Dann nochmals Ganache aufstreichen, diesmal möglichst ordentlich und faltenfrei, so glatt wie ein Kinderpopo oder meine jugendlichen Wangen. Oder so. Auf alle Fälle glatt, glatt, glatt, sonst wird der Fondant hubbelig, das möschten wir nischt.
Den kleinen Zebrakuchen zu beziehen, stellte noch keine Herausforderung dar. Aber die untere Etage mit dem Quark-Nuss-Nougat-Kuchen hat mich schon an den Rand der Verzweiflung gebracht. Die Handhabung einer so großen und schweren Torte ist reichlich gewöhnungsbedürftig und ich hatte große Angst, dass mir das Teil durchbrechen könnte.
Damit die beiden Einzelböden schön aufeinander bleiben und nicht verrutschen, habe ich eine Zwischenschicht Ganache eingezogen - das war vielleicht ein Akt. Zu wenig Ganache hatte ich auch, so musste ich nochmal ran und welche nachmachen. Beim Geradeschneiden des Kuchens entdeckte ich, dass er so gerade eben durchgebacken war - also wirklich nur so gerade eben. Mache ich jetzt immer, er ist dann so schön saftig. Endlich, der Koloss ist bezogen:
Für dieses Riesenteil habe ich keinen Tortencontainer auftreiben können. Meine Freunde bei facebook unterstützten mich - nicht nur in dieser Beziehung - tatkräftig bei der Suche und boten mir unter anderem an, einen Kühlwagen zu mieten oder ein Kühlhaus zu kaufen. Ist doch schön, wenn das tiefste Innere mit der großen Schachtel voller Begehrlichkeiten von den Freunden gelesen werden kann wie ein offenes Buch. Ihr seid die Besten! Am Ende wurde es dann ein Karton.
Weiter: Schichttorte rausholen, ebenfalls zweimal mit Ganache beziehen. Punschtorte zweimal mit Ganache beziehen. Ach, die ist ja noch gar nicht zubereitet. Ganache herstellen. Abkühlen lassen. Punschtorte zweimal mit Ganache beziehen.
Torten mit Fondant beziehen. Mit Fondant beziehen? Einen hysterischen Lachanfall unterdrückend dieses Vorhaben auf den nächsten Tag - bei Mama - verschieben.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich noch Rosen, Rosen, Rosen herstellen musste? Das machte ich auch noch, irgendwann zwischen Tag und Traum. Partiell. So ungefähr 50 oder 70 oder 97 oder ...ich hab doch auch keine Ahnung wieviel Rosen ich brauche ver..&%$$$§)??=))&... brauchte ich noch für diese Torte, die ich nie, nie, niemals heil nach Mönchengladbach bringen würde.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir morgens schon früh los wollten, ging ich dann mal früh ins Bett. Schon um 2 Uhr. Diese Kandidaten wollten auch mit:
Nix, die kamen in den Keller. Zum Abkühlen.
Ich brauchte auch Abkühlung. Ich fahre doch so ungern Auto. Die Autobahn rief. Nur noch ein paar Stunden...
Kopfkino an: "Wir werden einen Unfall haben, ich werde eine Vollbremsung machen, der Kuchen wird durch den Innenraum geschleudert und die armen, armen Kinder, Eltern, Schwestern, Schwäger, Nichten, Neffen, Freunde, Nachbarn, die ganze Welt wird an unserem Grab stehen und sagen: "Typisch Jutta. Von einem sieben Kilo schweren Nusskuchen erschlagen. Typisch!""
Von Anfang an:
Just married 2 - Nougat-Quark-Nuss-Kuchen
Just married 3 - Die Blumen des Grauens
Just married 4 - Backe, backe Kuchen am Samstag
Just married 5 - Punschtortenbäckerin am Rande des Nervenzusammenbruchs








