
Geburtstag? Herzlichen Glückwunsch, liebes Heikes Blog.
Bratkartoffeln? Blogevent? Super Idee. Ich liebe Bratkartoffeln. So in der Art halt.

Aber für Heike, die liebe Heike, da sollte es doch etwas Besonderes sein. Ausgefallen. Exklusiv. Extraordinär. Kostbar. Vielleicht auch ein wenig verrückt.
Meine Nerven!
kaquu ist schuld, denn vom Event hatte ich noch nichts mitbekommen, bis ich mich von seinem Adventskalender zum Lesen eines Postings verführen ließ, das am Ende abdrehte und nicht mehr über Adventskalender informierte, sondern mich mittels seine Inhalts in die rotglühende Bratkartoffel-Verdammnis katapuliterte. Kaum gelesen, begann das kleine, böse Rädchen in meinem Kopf seine Arbeit und stand nicht mehr still.
Bis heute Abend, als die atemberaubende Kreation verzehrbereit auf dem heimischen Essgeschirr drapiert wurde und wir, gerührt, glücklich und dankbar, auf ein wahres Kleinod der Bratkartoffelbratkunst blickten. Der Weg dorthin war dornig, tränenreich und extrem ausmergelnd. Wir haben gemeinsam mindestens 5,7 Gramm abgenommen, mein lieber Mann und ich.
Schlaflos, die Kissen durchwühlend, die Bettdecke zwirbelnd, das Morgengrauen nach durchwachter Nacht verfluchend, sann ich nach einem Rezept für die ultimativen Kartoffeln. Braun gebraten, ansehnlich, mit knuspriger Kruste und weichem Kern - Heike halt.
Schwächliche Naturen sollten an dieser Stelle die Lektüre des Eintrages unterbrechen und sich der Ertüchtigung von Körper und Geist widmen, um der immens herausfordernden Beschaffung der benötigten Materialien sowie deren Zubereitung gewachsen zu sein.
Physisch und mental gefestigten Lesern rate ich zu Mut, Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen. Auch ihr werdet es schaffen, auch ihr werdet den heiligen Gral der ansehnlichsten Bratkartoffeln der Welt in Händen halten dürfen, wenn ihr euch akribisch an die von mir persönlich entwickelte Vorgehensweise haltet.
DAS BRATKARTOFFELRITUAL
Nach einem läuternden Bad - nackt in einem reissenden Fluss, dessen Wassertemperatur 5° Celsius nicht übersteigen darf - und in ein selbst gewebtes Sackleinengewand gehüllt, greift ihr den von einem antiken Heiligen gesegneten Eimer mit der kleinen Goldkelle aus dem Schatz von Caxamalca und begebt euch auf ein Kartoffelfeld, dessen Ackerfurchen süd-westlich einer gedachten Linie von Bad Knollendorf über Bauernheim nach Königswusterhausen verlaufen.
17,5 Minuten nach Mitternacht, drei Tage bevor der Vollmond scheint, erntet ihr fünf Kartoffeln mit einem jeweiligen Gewicht von 90 bis 97 Gramm. Während der Ernte rezitiert ihr das komplette Nibelungenlied in der Originalsprache, dem Mittelhochdeutschen.
Nachdem das Kartoffelfeld aus Dankbarkeit und aus Achtung vor den Früchten der Erde 27mal umrundet wurde, begebt ihr euch in euer Heim, das während eurer Abwesenheit von 13 Schamanen gesäubert wurde. Hier wascht ihr die fünf heiligen Kartoffeln mit 1,279 Litern Wasser aus der Quelle einer Wassernymphe. Dabei singt ihr Schuberts Lied von der Forelle.
Unter tausendfachen Entschuldigungen schält ihr die Erdäpfel so dünn wie möglich mit einem Messer, das an den Felsen des Himalayas für diesen besonderen, einzigartigen Zweck geschärft wurde.
Eure salzigen Tränen, die ihr dereinst über Monate sammeltet, dienen den Kartoffeln als Garflüssigkeit. Sanft simmernd schwimmen die goldenen Knollen ihrer Vollendung im nicht zu heißen Wasser entgegen. In jeder Hand eine Gebetsmühle, unterstützt ihr die Kartoffeln auf ihrem Weg ins Nirwana.
Um den schwierigsten Teil, das Zerteilen und Gestalten des wertvollen Schatzes, ohne zerrüttetes Nervenkostüm überstehen zu können, trinkt ihr 375 ml eines von einem Irischen Schäfer aus Connemara schwarz gebrannten, 80%igen Potcheen. Die Reste des Getränkes spendet ihr dem örtlichen Krankenhaus, Abteilung Desinfektion.
Nachdem die filigranen Schnitzarbeiten abgeschlossen wurden, erhitzt ihr das Fett eines seit 264 Jahren in den ewigen Jagdgründen weilenden Bisons in der im Allgäu bei Vollmond in einem Schaltjahr am letzten Tag des Februars geschmiedeten gusseisernen Pfanne, legt Stück für Stück die wertvolle Fracht in das rauchende Gefäß und vollendet euer wunderbares Werk.
Am Ende, nach all der Mühsal, nach all dem Schmerz, nach all dem Zweifel, des Haderns und den Gedanken an Aufgabe und Schmach, am Ende dieses langen, steinigen Weges, endlich, endlich, habt ihr sie erschaffen. Ihr seid die Kreateure dieses Wunders, dieser Einmaligkeit, unerreicht und nie gesehen. Macht euch bereit für die wunderbaren
BRATKARTOFFELN "HEIKE"

Viel Glück!