Da ist sie ja! Oma Buchholtz wie sie leibt und lebt - naja, vielleicht nicht ganz. Unscheinbar kommt sie daher, aber stille Wasser sind bekanntlich tief und ich schwöre, diese Torte hat noch nie überhaupt niemals nicht ein einziges kleines Wort gesprochen. Ja, sie hat es noch nicht einmal versucht. Der Rest ist Schweigen.
Uschi, eine Hong-Kong-Deutsche, jetzt wohnhaft in Shanghai, lebte für einige Jahre in Deutschland. Unter anderem machte sie eine Ausbildung in der Krankenpflege. Uschis Oma, die Oma Buchholtz, war eine tolle Bäckerin, die berühmt war für ihre Sachertorte. Jedes Jahr vor ihrem Geburtstag bestellte Uschi bei der lieben Oma diese Torte und jedes Jahr auf's Neue ging der Wunsch in Erfüllung. Das ging soweit mit der Tradition, dass sich die Großmutter während Uschis Ausbildung sogar per Bahn auf den Weg Richtung Lehrkrankenhaus machte, um dem Geburtstagskind die Torte zu überreichen. Im Vor-Tupper-Zeitalter behalf sich Oma Buchholtz mit einer Hutschachtel, in der sie die Torte transportierte und nicht nur Uschi, auch ihre Mitschüler waren dem Backwerk verfallen.
Bei der Suche nach Tipps und Tricks bezüglich des Motivtortenbackens stieß ich im Forum torten-talk auf diese hochgelobte Torte. Zu ihren Gunsten spricht, dass man sie lange im Voraus backen kann, dass sie variantenreich gefüllt werden kann, dass sie stabil ist, äußerst schmackhaft daher kommt und dass sie wunderbar dekoriert werden kann. Mein Interesse war mehr als geweckt, ich habe das Rezept sofort ausprobiert und war hin und weg.
Beim großen Tortentest war Oma Buchholtz die eindeutige Siegerin
und ich gedenke nicht nur jedesmal still der guten Oma, wenn ich mir ein Stück ihrer Torte zu Gemüte führe, sondern danke auch ganz herzlich Uschi aus Shanghai, die mir erlaubt hat, die frohe Kunde hier zu verbreiten, auf dass das Gedenken an die Oma niemals enden möge!
Mindestens sieben Tage Vorlauf benötigt man, wenn man diese Torte präsentieren will. Am ersten Tag wird gebacken - für die Hochzeitstorte gleich zweimal, um auf 8 cm Höhe zu kommen,
am zweiten Tag wird mit Konfitüre und Grand Marnier gefüllt (das Rezept verlangte auch nach Aprikosenlikör, aber ich hatte keinen da und habe komplett auf Orangenlikör gesetzt), am dritten Tag mit Schokolade überzogen und dann steht die Torte mindestens bis zum 7. Tag, gut verpackt, im Kühlschrank und wartet auf Vernichtung. Bis zum 10. Tag durchhalten wäre besser, aber wer schafft das schon?
Ich habe die Torte bis nach Frankreich transportiert, um sie unseren lieben Gastgebern Micha und Fried zu überreichen. Da war die Torte erst zwei Tage alt und man konnte sie am nächsten Tag schon ganz gut essen. Es war interessant zu entdecken, wie sich der Geschmack verbesserte, je älter die Torte wurde. Wir haben natürlich nicht Michas und Frieds Torte gegessen. Für uns hatten wir auch eine mit :-)
Soll die Torte mit Ganache überzogen werden und später mit Fondant, dann empfiehlt es sich, gleich am dritten Tag schon die Ganache aufzubringen, die Torte in Frischhaltefolie einzuwickeln und bis zum Tag der Dekoration im Kühlschrank aufzubewahren.
Da meine Torte - die mittlere Etage der Hochzeitstorte - noch ungefähr zwei Tage außerhalb des Kühlschranks gelagert werden sollte, habe ich mich das nicht getraut. Ich habe die Ganache lieber frisch zubereitet und sie einen Tag vor dem Dekorieren aufgebracht. Im Nachhinein betrachtet war die Vorsicht unbegründet. Wir haben noch Tage später von der Hochzeitstorte gegessen, ohne irgendwelche Einbußen an Geschmack oder Konsistenz festzustellen. Die Brautmutter hat noch ein Woche später eine Plastikschüssel im Keller gefunden, die zu ihrem Erstaunen Oma-Buchholtz-Torte enthielt. Sie war durchaus noch essbar und wurde ihrer Bestimmung schnellstens zugeführt.
Also, demnächst mache ich es wie Monika: Backen, am nächsten Tag füllen und bestreichen, eine Nacht trocknen lassen, am dritten Tag mit Ganache beschmieren und warten, warten, warten.
| ========== | REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.4 |
| Titel: | Sachertorte Oma Buchholtz (M) |
| Kategorien: | Motivtorte, Lagerfähig, Schokolade, Knaller |
| Menge: | 1 Torte von 26 cm Durchmesser |
Zutaten
| H | KUCHEN | ||
| 200 | Gramm | Butter, weich | |
| 200 | Gramm | Puderzucker, gesiebt | |
| 1 | Pack. | Vanillezucker | |
| 100 | Gramm | Lindt Schokolade 70% mild | |
| 100 | Gramm | Lindt Schokolade 70% intensiv | |
| 8 | Eier, Größe M, getrennt | ||
| 200 | Gramm | Mehl, Type 405 | |
| 12 | Gramm | Kakao, dunkel, ungesüßt | |
| 1 | Prise | Salz | |
| 3 1/2 | Gramm | Backpulver | |
| H | FÜLLUNG | ||
| 40 | Gramm | Grand Marnier | |
| 250 | Gramm | Aprikosen-Vanille-Konfitüre, eigene Herstellung | |
| H | BEZUG | ||
| 200 | Gramm | Kuvertüre | |
| 1 | Stich | Butter | |
Quelle
| Rezept modifiziert. | |
| Original: www.torten-talk.de - Userin Uschi |
| Erfasst *RK* 07.08.2010 von | |
| Jutta Hanke |
Zubereitung
Backform fetten. Boden aus dem Ring entfernen und bemehlen. Ring wieder um den Boden legen. Innenrand mit Backpapier bekleiden, dessen Rand höher ist als der Springformrand. Außenrand mit gefalteter Alufolie einpacken, in die nasse Papiertücher gelegt wurden (even baking method).
Manzfred auf 160° C vorheizen.
Schokolade im TM kurz zerkleinern und 15 Minuten / Stufe Sanftrühren / 37° C schmelzen.
Butter mit den Zuckern in der Küchenmaschine luftig aufschlagen, nach und nach die Eigelbe unterziehen.
Flüssige Schokolade abgekuehlt unter die Buttercreme ruehren.
Eiweiss mit Salz zu halbfestem Schnee schlagen. Mehl, Kakao und Backpulver sieben und sehr kurz, aber gründlich mit der Küchenmaschine in die Schokomasse einarbeiten, dann den Eischnee unterheben. In die Springform füllen und 60 Minuten backen.
In der Backform erkalten lassen, danach in einem Tortencontainer aufbewahren.
Am 2. Tag die Torte zweimal horizontal durchschneiden. Die Marmelade mit dem Likör glattrühren, die Böden satt mit diesem Gemisch bestreichen, aufeinander setzen und von aussen bestreichen und zum Trocknen in den Kühlschrank stellen.
Am 3. Tag mit Schokoglasur beziehen. Dazu die Schokolade temperieren, abkühlen lassen, nochmals leicht erwärmen, Butter zufügen und Kuchen beziehen. Trocknen lassen.
Nun muss die Torte noch bis zum 10. Tag im Kühlschrank ruhen (bis zum 7. Tag reicht aber auch), bevor sie angeschnitten wird. Zwei Stunden vor dem Anschnitt aus dem Kühlschrank holen.
SACHERTORTE ALS MOTIVTORTE
Am 2. Tag nach dem Füllen, aber vor dem Einstreichen mit Marmelade den Kuchen mit einem stabilen Tortenring gerade schneiden. Einfach oben aufsetzen und alllmählich den Ring bis zum Boden drücken. Dann außen einstreichen, über Nacht im Kühlschrank trocknen lassen, dann gut verpacken und bis zum 8. Tag ruhen lassen. An diesem 8. Tag mit Ganache überziehen* und bis zum nächsten Tag im Kühlschrank aufbewahren.
Am 9. Tag Torte eine Stunde vor der Verarbeitung aus dem Kühlschrank holen. Mit Fondant überziehen und dekorieren**.
Am 10. Tag verzehren. Vorher zeitig aus der Kühlung holen, damit der Fondant abtrocknen kann, falls er durch Kondenswasser feucht geworden ist.
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* Monika macht das schon am dritten Tag und packt den Kuchen in Frischhaltefolie. Ich habe mich das nicht getraut, weil die Torte nach der Deko noch fast zwei Tage ungekühlt im Keller stehen musste.
** Monika stellt ihre mit Fondant bezogenen Torten in den Kühlschrank, ohne dass sich der Fondant auflöst. Sie hat damit gute Erfahrungen gemacht. Ich habe es mit einem fondantbezogenen Dummy ausprobiert und kann bestätigen, dass die Dekoration nicht leidet. Allerdings solle man der Torte genug Zeit geben, sich an die wärmere Umgebung anzupassen. Möglicherweise entstehendes Kondenswasser trocknet allmählich ab.
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Einen Nachteil der Torte darf und will ich euch nicht verschweigen: sie ist immer viel zu schnell weg.






