In den letzten Wochen habe ich mich ohne Rücksicht auf Person und Ansehen als Fußballfan der dollsten Sorte geoutet.
Um dem schonungslosen Aufdecken der dunkelsten Seiten meiner vielschichtigen Persönlichkeit die Krone aufzusetzen, teile ich der Welt nun auch noch mit, dass ich Quentin Tarantino-Fan bin, ich bin schier verrückt nach Filmen dieses Regisseurs.
Kürzlich habe ich ein wenig geschwächelt. Den letzten Film, "Inglourious Basterds", für den Christoph Waltz den Oscar bekam, konnte ich mir nicht komplett ansehen, weil mich die brutalen Szenen so mitgenommen haben. Als es ans Skalpieren ging, habe ich das Handtuch geschmissen.
"Pulp Fiction" hingegen ist ein Meisterwerk und Kult - ich kann nicht sagen, wie oft ich diesen Film schon angeschaut habe.
Alles an ihm gefällt mir. Die Darsteller, die Kameraführung, die Geschichte, die Frisuren, die Anspielungen, die Rhetorik Samuel L. Jacksons als Jules Winfield, die Erzählstränge, die Musik, die Lakonik, mit der brutale Gewalt ausgeübt wird - der Film ist einfach genial.
Das dachte sich auch die Jury in Cannes, die den Film 1994 mit der Goldenen Palme bedachte. Ein Jahr später wurde er mit dem Oscar für das Originialdrehbuch prämiert.
Es gibt ja so Tage im Leben, wo man sich abends denkt, man wäre morgens besser im Bett geblieben. Genau so geht es wahrscheinlich den Akteuren des Films. Jeder Einzelne ein Loser, jeder auf seine Art überfordert von Verpflichtungen, geknechtet von Angst und Druck, gefangen in Ressentiments. Trotzdem erwecken die Charaktere den Eindruck, dass sie cool durchs Leben tingeln, dass die abstrakten Modelle, in denen sie sich bewegen, Normalität sind.
Eine der bekanntesten Szenen, die häufig zitiert wird, ist wohl der Twistwettbewerb von Vincent und Mia im Restaurant "Jack Rabbit Slim's".
Hier werden unter anderem Hamburger kredenzt, ich serviere jedoch etwas anderes, nämlich Pfannkuchen mit Speck.
Diese Pfannkuchen werden in einer Art Imbiss, dem Diner serviert, das Prolog und Schlussszene des Filmes markiert. Junk-Literatur findet ihr kulinarisches Pendant im Junk-Food, zumeist von Junkies oder Typen aus halbseidenem Milieu konsumiert.
Der nicht chronologisch erzählte Film beginnt also im Diner und er endet auch hier. Ein total verrücktes Pärchen - der Darstellerin Honey Bunny traue ich Abgründigstes zu - überfällt diesen Laden, wird aber am Ende des Films von den kriminellen Protagonisten Jules Winfield und Vincent Vega beim Beutezug gestört.
Jules und Vincent haben zu diesem Zeitpunkt schon die abstraktesten Situationen erlebt, Vincent steht noch der Tod durch Erschießen bevor, nachdem er von der Toilette eines Boxers kommt, der mit Vincents und Jules' Boss eine nicht wirklich kinderprogrammgeeignete Auseinandersetzung überstanden hat. Soweit alles klar? Nee? Kann ich verstehen. Schaut euch den Film an, dann wisst ihr, worüber ich hier fasele.
Jedenfalls bestellen Jules und Vincent im Diner etwas zu essen, nicht ahnend, dass gleich ein Überfall stattfinden wird. Jules möchte ein Muffin und Vincent Pfannkuchen mit Speck.
Das Rezept ist dem amüsanten Buch "Ich schau dir in den Kochtopf, Kleines!" der Autoren Keller, Geisler, Westendorf entnommen.
| ========== | REZKONV-Rezept - RezkonvSuite v1.4 |
| Titel: | Buttermilch-Pfannkuchen mit Speck (Pulp Fiction) |
| Kategorien: | Filmessen, Pfannkuchen, Buttermilch, Speck |
| Menge: | 1 Portion |
Zutaten
| 1 | Ei | ||
| 2 | Essl. | Butter, flüssig | |
| 1/8 | Ltr. | Buttermilch | |
| 140 | Gramm | Weizenmehl | |
| 1 | Teel. | Backpulver | |
| 1 | Messersp. | Backsoda (Natron) | |
| 2 | Essl. | Zucker | |
| 1 | Prise | Salz | |
| Öl zum Braten | |||
| 12 | Scheiben | Frühstücksspeck |
Quelle
| "Ich schau dir in den Kochtopf, Kleines!" - Filmreif | |
| kochen. Rezepte, Anekdoten und Hintergründe aus über 50 | |
| Kinohits. |
| Erfasst *RK* 13.07.2010 von | |
| Jutta Hanke |
Zubereitung
Das Ei gut verquirlen, anschließend Butter und Buttermilch einrühren. Mehl, Backpulver, Soda, Zucker und Salz mischen, in die Flüssigkeit geben und kurz verrühren.
Frühstücksspeck ausbraten und warm stellen. Ins Bratfett mit einer Schöpfkelle den Teig klecksartig hineingeben. die gestockten kleinen Pfannkuchen auf beiden Seiten goldbraun backen und heiß mit dem knusprigen Speck servieren.
Anmerkungen, Jutta: Statt des Mehls, Backpulvers und Natrons 120 g Self-Raising Flour verwendet. Alles in den Thermomix geworfen und kurz verrührt. Pfannkuchen in Ringen gebacken.
6 Scheiben Speck pro Person gereicht, 12 sind doch ein wenig happig.
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Speck würde Jules niemals essen, denn er stammt von Schweinen, und "Schweine sind dreckig". Da sind wir aber alle froh, dass Jules so eine weiße Weste hat.
Die Pfannkuchen im Film kann man nach 3:45 Minuten sehen. Aber den kompletten Track anzuschauen lohnt auf jeden Fall. Den ganzen Film schauen noch viel mehr.
Als Absacker möchte ich euch einen Kommentar von der youtube-Seite nicht vorenthalten. Dort schreibt "QoolEntent":
"I'm a chef and at work, our biggest iron skillet is named "Samuel L." because its the biggest, blackest frying motherfucker around. "
Herzlichen Dank an Evi von kochen375 für die Ausrichtung dieses schönen Events.







